Für dieses großartige Dokument bin ich dem sehr engagierten japanischen Verlag OSIRIS wirklich dankbar. Nicht etwa, weil es herausragende Fotografien zu sehen gibt, sondern weil das Buch eine schmerzhafte, von Zweifel und Selbstzweifel befeuerte Auseinandersetzung mit der Produktion und der Wahrnehmung von Kunst nachvollziehbar macht.
Takuma Nakahira überlegt lange, bevor er zusagt, im Jahr 1971 an der Biennale in Paris teilzunehmen. Die Kunst-Biennale wird zum bedeutenden Ereignis hochgeredet, Nakahira aber empfindet die Kunst seiner Zeit als sinnlos und leer. Alles wurde bereits dekonstruiert, die Fundamente sind gesprengt, aber statt neue Ausdrucksformen hervorzubringen scheint das Kunstkarussel nur noch um sich selbst zu kreisen.
Mit diesem Gefühl reist Nakahira an, ohne Bilder – und wagt ein radikales Experiment. Wie ein Recorder fotografiert er, was er sieht. Die Zeitung, die er liest, die Straße, die er überquert, den Film, den er sieht, das Gemüse, das er kauft … Die Bilder werden wenige Stunden später entwickelt, die feuchten SW-Prints in die Ausstellung gebracht und an die Wand geklebt. Viele bleiben hängen, viele fallen herab, bis der Fotograf mit den nächsten Bildern aus der Dunkelkammer kommt. Tagelang bringt er die Bilder, die durch seinen Kopf gegangen sind, um wenige Stunden zeitversetzt in die Öffentlichkeit, bis Wände, Fußböden, Tische und Regale des Ausstellungsraums übersäht sind. Auch das wird fotografiert und in die Ausstellung gehängt. Bildzirkulation, aber wirklich.
Das toll produzierte Buch lässt sich leicht durchblättern und lässt das fieberhafte Verfahren der Bildentstehung gut nachfühlen. In einem ausführlichen Essay beschreibt der Fotograf selbst den Prozess, die Rezeption und den Eklat, mit dem die Biennale für ihn endet.
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Osiris 2012 /// 145 x 208 mm /// 320 pages /// 257 b/w plates
145 x 208 mm /// Soft cover with slipcase /// english / japanese
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€56.00 BESTELLUNG |  |
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